Frankfurt fest im Blick: die Fotos von Petrus Bodenstaff bei Unser-Frankfurt

petrus bodenstaffHeute wollen wir bei Unser-Frankfurt einen neuen und wie wir finden ungewöhnlichen „Mitarbeiter“ vorstellen: den fotografierenden Taxifahrer Petrus Bodenstaff. Petrus hat eine beeindruckende Sammlung von mehr als 12.000 selbst geschossenen, professionellen Bildern von Frankfurt und Umgebung. Einen kleinen Teil davon setzen wir seit neuestem bei Unser-Frankfurt ein, wofür wir uns an dieser Stelle schon einmal herzlich bedanken wollen.

Im Interview erklärt Petrus Bodenstaff, wie es dazu gekommen ist, was er mit den Bildern alles so macht und wie sich das Thema für Ihn weiterentwickelt.

Unser-Frankfurt: Wie kommt man als hauptberuflicher Taxifahrer dazu die Heimatstadt zu fotografieren? Anders gefragt: wie und warum hat das alles angefangen?

Petrus Bodenstaff: Fotografie hat mich schon sehr lange interessiert, bestimmt seit 35 Jahren. Ich hatte damals eine analoge Spiegelreflexkamera mit  Fisheye. Damit begann ich Teile von Frankfurt zu fotografieren. So etwa 2002 zeigte mir dann ein Freund aus den Niederlanden, seine digitale 4-Megapixel Kamera.

Etwa zeitgleich hatte ich durch die Taxifahrerei jemanden kennengelernt, der einen Bildband über Frankfurt machen wollte. Da machte es im doppelten Sinne Klick und ich nahm mir vor für dieses Projekt nicht nur die Highlights von Frankfurt, sondern alle Stadtteile abzulichten.

Hätten wir alle Bilder gedruckt, wäre dabei ein Wälzer dick wie das Telefonbuch Frankfurt herausgekommen. Doch mehr als tausend Seiten waren nicht finanzierbar. Also wurde daraus eine DVD. Diese ließ sich jedoch sehr schlecht verkaufen.

Wieder etwas später lernte ich in der Volkshochschule einen Webspezialisten kennen, der mir half die erste Webseite mit über 6.000 Bildern zu gestalten. Das war am Anfang toll und beeindruckend, aber man konnte auch damit kein Geld verdienen.

Haben Sie das Fotografieren gelernt oder sind Sie Autodidakt?

Ich habe zwar den einen oder anderen Kurs an der VHS besucht, aber wirklich gelernt habe ich in der Praxis. Übung macht den Meister, sagt man doch im deutschen.

Mit welchem „Material“ (Kamaratyp, Linsen, etc.) arbeiten Sie?

Angefangen hat alles mit einer gebrauchten 4-Megapixel Kompaktkamera. Mittlerweile arbeite ich mit 2 professionellen digitalen Spiegelreflexkameras von Canon und verschieden professionelle Linsen mit Festbrennweite zwischen 17 und 300 mm.
Mein Lieblingsobjektiv ist ein sogenanntes 17 mm tilt-shift  Objektiv, mit dem ich die Sturzlinien von Gebäude optimal korrigieren kann. Dieses Objektiv erfordert ein Stativ aber ebenso Geduld und einiges an Handarbeit, bis alles stimmt.

Aus Ihrem enormen Archiv sind ja einige Kalender über Frankfurt entstanden, die Sie mittlerweile mit einigem Erfolg vermarkten. Wie kam es dazu?

Bildkalender von Frankfurt habe ich jedes Jahr gemacht aber nur für mich privat.
Die Kalender waren in der Herstellung relativ teuer und so ist es dann anfangs auch bei einem Kalender pro Jahr geblieben.
Durch Zufall bin ich beim Surfen im Netz auf einen Kalenderhersteller gestoßen, der bei größeren Abnahmemengen einen vernünftigen Preis bot. Nun stand ich vor dem Problem, was mache ich mit den restlichen 14 Stück, wenn ich 15 Stück fertigen ließ?

Meine Lebensgefährtin erzählte von der Idee im Bekanntenkreis. Da viele der Freunde meine Leidenschaft kannten, war die Startauflage von 15 Stück blitzschnell vergeben. Als dann die erste Lieferung ankam und meine Freundin unser Exemplar zu jeder Gelegenheit mitnahm, kam die Sache ins Rollen: über 70 Kalender fanden innerhalb von 14 Tagen einen Abnehmer.

Von da ging es Schlag auf Schlag. Immer mehr Leute fanden meine Fotos Ihrer Heimat schön und bestellten. 2011 war bisher der Höhepunkt als die bekannte Frankfurter Metzgerei Gref Völsings den Frankfurter Kalender in großer Zahl als Werbegeschenk orderte.

Neben den privaten Verkäufen nutze ich natürlich auch den Radius, den ich als Taxifahrer in Frankfurt erreiche. Ich komme ja viel in Frankfurt herum. In Leerlaufzeiten habe ich einfach verschiedene Händler aufgesucht und meinen Kalender vorgestellt. Und siehe da: viele waren sofort bereit meinen Kalender zu verkaufen.

Die Kalender kommen bis auf den Druck komplett aus einer, nämlich meiner Hand: Bilder, Gestaltung, Großhandel und Belieferung organisiere ich selbst. Dabei hat sich im Laufe der Zeit das schöne Image vom „Taxifahrer, der Kalender macht“ etabliert. Mit regelmäßigen Besuchen meiner Händler pflege ich dieses Image, so gut es geht.

Wo bekommt man die Kalender und wie viel kosten die Exemplare?

Mittlerweile kann man die Kalender in fast  allen großen und kleineren Buchläden sowie im Schreib- und Papierwarenhandel in Frankfurt erstehen. Die Ausgabe in DIN A3 kostet € 19,95. Das „kleine Brüderchen“ in DIN A4 liegt bei € 12,95

Wie wird sich das Thema weiter entwickeln? Sie hatten uns über Stadtteilkalender erzählt?

Für 2012 sind neben den oben erwähnten Standards für Frankfurt Stadtteilausgaben für Bergen-Enkheim, Eschersheim, Schwanheim, Höchst und Sachsenhausen im Format DIN A3 geplant. Und als Blick über den Frankfurter Tellerrand die Erstausgabe Offenbach in DIN A4.

Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch und auch noch mal an dieser Stelle für die Möglichkeit die fantastischen Fotos auf Unser-Frankfurt einer noch breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. Und schließlich wünschen wir auch weiter viel Erfolg bei der Vermarktung der Kalender.

09.06.2011

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