Lyon erleben – 50 Jahre Städtepartnerschaft

Ein halbes Jahrhundert einer ganz besonderen Städtekooperation wird 2010 gefeiert. Gemeint ist die Städtepartnerschaft Frankfurts mit Lyon. Es gibt verschiedene Arten Lyon kennenzulernen. Weniger empfehlenswert ist die nächtliche Ankunft am Bahnhof Brotteuax, wenn man gerade mal 12 Jahre zählt und mit einer übermüdeten Mutter auf der Suche nach dem uns vom Bahnsteig abholen wollenden Vater ist. Papa, der eine Anreise von nur rund 60 Kilometern aus dem nahen St.Etienne hinter sich hatte, erwartete uns aber in Perrache, wo unser Zug der SNCF eigentlich hätte halten sollen. Telefone waren damals noch nicht mobil sondern mit Wählscheiben versehen. Apps für diesen Fall gab es höchstens in der Fantasie von Science-Fiction -Autoren.


Nach einigem Hin und Her, verbunden mit Geldwechsel – ja, es gab mal unterschiedliche Währungen und einer Taxifahrt, die in der Erinnerung um düstere Ecken mit dunklen Gestalten führte, löste sich das kleine Familiendrama in Wohlgefallen auf. Lyon aber war auf Jahre hinaus mit einem leichten Unbehagen verbunden, also bis in die späten 70er und frühen 80er hinein.

Wer in der Stadt an Rhône und Saône 22 Jahre später zur FÊTE DE LA MUSIQUE die Nacht durchtanzt und die wundervolle Atmosphäre in der Altstadt genießt, nur um zu später Stunde mit 2 irischen Staatssekretären die Côtes du Rhône Vorräte Lyons zu reduzieren, der blickt mit gänzlich anderen Augen auf die drittgrößte Stadt Frankreichs. Die 15köpfige Horn Section, die in den Morgenstunden ausgerechnet „The Lion Sleeps Tonight“ intonierte, rundete ein Bild ab, das sich inzwischen durch einige Besuche der Region Rhône-Alpes gefestigt hatte.

43 v. Chr. gründeten die Römer „Lugdunum“ als Hauptstadt Galliens, wie der geneigte Asterix-Leser seit Kindestagen weiß. Die gallische Schlitzohrigkeit und den etwas eigenen Humor erlebt man dann vor Ort, wenn eine aus Lyon herausführende Autobahn durch die CGT gesperrt ist. Die Gewerkschafter stellten LKW´s quer und stellten, als optische Untermalung, ein paar brennende Mülltonnen davor. Einen Stau, einen solch extrem aussichtloser Stau, mag man sich auf der A3 oder A5 nicht vorstellen wollen. Asterix´ Nachfahren jedoch zogen alle Register. Nach kurzer Analyse der Situation stieg man erstmal aus dem Wagen aus. Neben regionalen Spezialitäten – auf dem Autodach serviert – und dem ein oder anderen Gläschen mit rötlich-dunklem Inhalt, umgarten einige Herren die im Stau befindlichen Schönheiten. Telefonnummern gingen hin und her, es wurde gelacht und gescherzt. Der zufällig anwesende Frankfurter bestaunte die Szenerie eher ungläubig und wunderte sich über das Fehlen aller möglichen und unmöglichen Schimpfworte, die dem Hessen ja doch von Geburt aus mitgegeben sind. Die Gallier aber, die trieben es noch doller: Als sich nach einer knappen Stunde keine Verbesserung der Situation abzeichnete, holten ein paar Trucker ihr Werkzeug und fingen an die Leitplanken an einigen Stellen abzubauen. Just als auf der leeren Gegenfahrbahn die Flics mit Blaulicht vorbeifuhren, steckte man kurz die Hände in die Hosentaschen und piff – den Blick gen Himmel gerichtet – vor sich hin. Danach ging es weiter und 20 Minuten später waren alle Fahrzeuge wieder auf dem Weg Richtung Lyon…

Wenn man heute ohne Flieger oder Auto nach Lyon reist, dann erreicht man Lyon-Saint-Exupéry in Windeseile mit dem TGV. Ansonsten kann man auch in Part-Dieu ankommen oder immer noch in Perrache. Der Gare des Brotteaux wurde jedoch im Juni 1983 für den Publikumsverkehr geschlossen.

Am 15. Oktober 2010 feiert Frankfurt 50 Jahre Städtepartnerschaft mit Lyon.

23.08.2010 / NMJ

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