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Die Schirn feiert Geburtstag 

Als die Frankfurter Ausstellungshalle in der 1944 im Bombenkrieg verwüsteten Altstadt errichtet wurde, wütete die renommierte Presse dagegen: "Mord am Dom" (FAZ) und "Mittelalterlicher Rammbock gegen den Domturm" (Frankfurter Rundschau), um nur die lokale Kritik zu zitieren.

2011 feiert die Schirn Kunsthalle Frankfurt, wie sie offiziell heißt, ein Viertel Jahrhundert ihrer inzwischen unbestritten erfolgreichen und international verzahnten Tätigkeit. Wegen ihrer Lage, eingekeilt zwischen der Mainufer-Bebauung und dem Technischen Rathaus, musste sich der Bau 140 Meter langgestreckt zwischen Römer und Kaiserdom mit einer Breite von 10 Metern begnügen. Auch auf die im "Archäologischen Garten" vermutlich aus dem 9. Jahrhundert stammenden, freigelegten Grundmauern der Kaiserpfalz musste Rücksicht genommen werden. Bei der Einweihung am 28. Februar 1986 prophezeiten viele Kritiker dem sehr eigenwillig proportionierten Bau trotz seiner 2.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche keine große Zukunft. Heute zählt die Schirn, benannt nach den verschwundenen historischen Metzgerläden, den Schirnen, zu den am meisten anerkannten Ausstellungshäusern Europas. Das für die Altstadt überdimensionierte Technische Rathaus von 1972-74 hat sich nicht bewährt, und sein Abbruch wurde 2010 abgeschlossen.

Es erscheint bei der surreal anmutenden jungen Geschichte der Schirn durchaus treffend zu sein, dass das Jubeljahr mit einer bedeutenden Schau zum Surrealismus gefeiert wird: "Surreale Dinge". Das Ausstellungsprojekt beschränkt sich auf Skulpturen, Objekte und die fotografische Teil-Rekonstruktion der "Exposition Internationale du Surréalisme" von 1938. Auch wenn für die meisten Kunstliebhaber der Begriff "Surrealismus" mit Malerei und Grafik besetzt ist, offenbaren erst die räumlichen "Dinge" die Komplexität des Schlagwortes. Die FAZ feiert die Ausstellung als die bisher "umfassendste Präsentation, mit Objekten und Skulpturen" und die Frankfurter Allgemeine widmete der Schau interaktive Demonstrationen im Internet, auch als Apps. Tempora mutantur!

In der Schirn wird eine visionäre Vorstellung sichtbar gemacht: "Die zufällige Begegnung einer Nähmaschine mit einem Regenschirm auf einem Seziertisch" (1869; Comte de Lautréamont = Isidore Lucien Ducasse, von Wolfgang Koeppen als "Großvater des Surrealismus" bezeichnet.)

 

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